Diagnose Arthrose: Warum du nicht sofort ein neues Gelenk brauchst

Ihr Arzt hat Ihnen also die Diagnose Arthrose gestellt. Und nun? Erst einmal gibt es keinen Grund zu verzweifeln, denn um das Thema Gelenkverschleiß ranken sich unzählige Mythen und gefährliches Halbwissen. Die gute Nachricht zuerst: Sie brauchen ganz sicher nicht sofort einen künstlichen Gelenkersatz!

Verursacht Arthrose immer Schmerzen?

Was ist Arthrose eigentlich genau? In erster Linie ist es ein natürlicher Prozess, der mit steigendem Alter zunimmt und an fast allen Gelenken beobachtet werden kann. Somit ist die Arthrose per se keine akute „Krankheit“ bzw. muss sie nicht sofort einen Krankheitswert besitzen und schmerzhafte Symptome verursachen. Definitiv nicht! Ich habe in meiner Praxis regelmäßig Patienten mit einer offensichtlich hochgradig fortgeschrittenen Arthrose im Röntgenbild, die aber im Alltag keinerlei Schmerzen oder Einschränkungen spüren. Und genau das ist ein Punkt, den die klassische Orthopädie oft nicht erklären kann: Manche Menschen mit starkem Gelenkverschleiß sind beschwerdefrei, während andere mit einer minimalen, moderaten Arthrose unter massiven Schmerzen leiden.
Aus diesem Grund ist es heutzutage auch selten zielführend und mittlerweile nicht mehr obligat, rein auf bildgebende Verfahren wie das Röntgen zu vertrauen. Die Diskrepanz zwischen dem sichtbaren Schweregrad auf dem Bild und der tatsächlichen klinischen Auffälligkeit – also Ihren echten Symptomen – stimmt nur selten überein. Wir behandeln Menschen, keine Röntgenbilder!

Wie äußert sich der Gelenkverschleiß im Alltag?

Typischerweise treten die meisten Beschwerden an unseren größten, lasttragenden Gelenken auf: Knie, Hüfte und teilweise an der Schulter. Es kann jedoch auch an kleineren Strukturen zu Problemen kommen, insbesondere an den Wirbelgelenken der Halswirbel- (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS).
Meist verläuft der Beginn völlig stumm – man merkt erst einmal gar nichts. Das ist normal, denn mit fortschreitendem Alter kommt es nun mal zu einer Minderung der Knorpelhöhe. Das Gelenk wird dadurch in seiner Bewegung eingeschränkt, da es durch den verminderten Gelenkspalt zu einer mechanischen Druckerhöhung kommt. Das ist jedoch ein schleichender Prozess, der nicht von heute auf morgen passiert.
Bei Knie- und Hüftarthrose macht sich das Problem zuerst beim Treppab- oder Bergabgehen bemerkbar. Im Laufe der Zeit treten diese Belastungsschmerzen häufiger und intensiver auf. Hier kann es dann zu einer sogenannten aktivierten Arthrose kommen. Dabei sorgt eine akute Entzündung im Gelenk für einen pulsierenden Ruheschmerz. Diese Phasen gehen in der Regel nach einiger Zeit wieder zurück, können aber schubweise wiederkehren.

Therapie: Was können Sie aktiv gegen die Schmerzen tun?

Dass eine Arthrose zu Schmerzen führt, hat meist mehrere Gründe, die zusammenhängen: Schwere körperliche Arbeit, dauerhafte einseitige Belastung, Bewegungsmangel sowie eine genetische Komponente spielen zusammen.
Leider lassen sich diese strukturellen Prozesse am Knorpel nicht wieder rückgängig machen. Aber jetzt kommt der entscheidende Klartext: Mit gezieltem Training können wir einen Erhalt des Zustandes und sogar eine massive Linderung der Schmerzen erreichen! Im Vordergrund steht dabei die Bewegung mit möglichst wenig axialer Belastung (hier ist das Radfahren für Knie und Hüfte ideal, am besten auf dem Hometrainer) sowie ein progressives, gezieltes Krafttraining. Durch die zyklische Bewegung wird die Produktion der Gelenkschmiere (Synovia) angeregt – das Gelenk „ölt“ sich
quasi selbst. Durch die Kräftigung der umliegenden Muskulatur erreichen wir eine aktive Stabilisierung und eine massive Druckminderung im Gelenkspalt.

Die goldene Trainingsregel

Es ist völlig normal, dass anfangs durch das gezielte Training leichte Schmerzen verursacht werden. Keine Panik! Als Faustregel gilt: Der Schmerz sollte auf einer subjektiven Skala von 1 bis 10 eine Intensität von 4 nicht überschreiten und spätestens 24 Stunden nach dem Training wieder auf das Ausgangsniveau abgeklungen sein.

Wann ist eine OP (TEP) wirklich notwendig?

Eine Totalendoprothese (TEP) wird erst dann in Betracht gezogen, wenn der Leidensdruck so immens ist, dass die Lebensqualität im Alltag drastisch eingeschränkt wird. Ihr persönlicher Leidensdruck ist das einzige und wahre Kriterium! Röntgenbilder spielen für diese Entscheidung, wie anfangs erwähnt, eine untergeordnete Rolle. Die Entscheidung liegt einzig und allein bei Ihnen als betroffenen Patienten.

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